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11. Jahrgang (2008) - Ausgabe 8 (August) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
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Bankstrategien für Unternehmenssanierungen

von Dipl.-Kfm. Frank Roselieb  

Das frühzeitige Erkennen und professionelle Bewältigen von Krisen bei Kreditnehmern stellt hohe Anforderungen an die Firmenkundenberater in Banken und Sparkassen. Welche Sofortmaßnahmen sollten nach Wahrnehmung einer Schuldnerkrise eingeleitet werden? Worauf ist bei der Prüfung von Sanierungskonzepten zu achten? Welchen Haftungsrisiken setzen sich die Mitarbeiter von Kreditinstituten bei der Begleitung von Krisenunternehmen aus?

Antworten auf diese und andere Fragen zur rechtzeitigen Krisenerkennung und konsequenten Krisenbewältigung aus Sicht der Banken tragen die drei Dortmunder Unternehmensberater Christian Lützenrath, Kai Peppmeier und Jörg Schuppener zusammen. Auf 213 Seiten geben sie in ihrem Praktikerhandbuch einen Überblick über betriebswirtschaftliche, rechtliche und kommunikative Aspekte des insolvenznahen Krisenmanagements.

  • Das erste Kapitel skizziert die zeitliche Entwicklung von Unternehmenskrisen, nennt typische Krisenursachen und beschreibt verschiedene Krisenarten. Als Handreichung für Mitarbeiter in den Firmenkundenabteilungen stellen die Autoren eine "Früherkennungstreppe" bereit. Anhand dieser Darstellung kann der Handlungsbedarf für das jeweilige Kreditengagement in Abhängigkeit von den jeweiligen Krisensymptomen eingeschätzt werden.
  • Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht die Insolvenz - als Höhepunkt einer akuten Unternehmenskrise. Neben den Gründen für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird insbesondere das Vorgehen bei der zweistufigen Überschuldungsprüfung ausführlich dargestellt. Kapitel drei widmet sich den notwendigen Sofortmaßnahmen zur Unternehmenssicherung. Als Handlungsoptionen können Aktivitäten des Debitoren-, Lager-, und Vertriebsmanagements erwogen, nicht betriebsnotwendige Aktiva verwertet oder Rangrücktritte erklärt werden.
  • Das prinzipielle Vorgehen bei der Erstellung und Prüfung von Sanierungskonzepten sowie die dabei auftretenden Probleme thematisiert das vierte Kapitel. Nicht ganz uneigennützig empfehlen die Autoren die Einschaltung externer Berater zur Erstellung von Sanierungskonzepten. Wie insolvenznahe Unternehmenskrisen zweckmäßigerweise kommuniziert werden sollten, erfährt der Leser im fünften Kapitel. Auf eine Formel gebracht plädiert auch diese Schrift für eine schnelle, ehrliche, verständliche und vollständige Krisenkommunikation.
  • Mergers and Acquisitions als weitere Mittel zum Turnaround-Management werden im sechsten Kapitel behandelt. Ausführlich erläutern die Autoren insbesondere die Probleme bei der Kaufpreisfindung und denkbare Lösungsansätze. Kapitel sieben ergänzt die Darstellung um finanzwirtschaftliche Aspekte der Sanierung - wie beispielsweise die Stundung von Tilgungsleistungen, die Inanspruchnahme öffentlicher Finanzierungshilfen und den Abschluss von Sicherheitenpoolverträgen.
  • Vor welchen Prüfungspflichten und daraus resultierenden Handlungsalternativen Banken in einer akuten Unternehmenskrise stehen erfährt der Leser im achten Kapitel. Hat sich das Kreditinstitut zur Beteiligung an einem Sanierungsversuch entschieden, so wird es mit weiteren Haftungsrisiken konfrontiert. Diesen Risiken beispielsweise - aus eigenkapitalersetzenden Gesellschafterdarlehen, Quasi-Gesellschafterhaftung oder Gläubigerbenachteiligung - widmet sich Kapitel neun.
  • Im zehnten Kapitel folgen Empfehlungen zur Zusammensetzung des Gläubigerausschusses, zum Insolvenzplanverfahren und zur Eigenverwaltung. Die Kreditvergabe in der Insolvenz und Aspekte des gesetzlichen Gläubigerschutzes sind Thema des elften Kapitels. Kapitel zwölf gibt Hinweise, wie Banken und Sparkassen ihre Besicherungen möglichst anfechtungssicher gestalten können. Das abschließende dreizehnte Kapitel diskutiert alternative Strategien zur Sicherheitenverwertung.

Insgesamt ist den drei Autoren ein lesenswerter und durch zahlreiche Abbildungen und Tabellen gut verständlicher Leitfaden für das Management von Unternehmenssanierungen aus Bankensicht gelungen. Sieht man von kleineren Satzfehlern - beispielsweise den doppelten Fußnotenapparaten auf den Seiten 108 und 109 - ab, so führt das Buch umfassend und praxisnah in die wesentlichen betriebswirtschaftlichen und juristischen Aspekte des insolvenznahen Krisenmanagements ein. Etwas zu kurz kommt die von den Autoren im Klappentext vollmundig angekündigte "Vielzahl von Beispielen aus der Praxis". Diese sind - in eher abstrakter und theoretischer Form - weitgehend geballt im zwölften Kapitel enthalten. Auch Hinweise auf die zahlreich vorhandenen Softwarelösungen zur bankseitigen Krisendiagnose sucht der Leser in der Schrift leider vergeblich.

Christian Lützenrath / Kai Peppmeier / Jörg Schuppener,
Bankstrategien für Unternehmenssanierungen:
Erfolgskonzepte zur Früherkennung
und Krisenbewältigung,
Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler,
Wiesbaden, 2003,
213 Seiten, EUR 49.90,
ISBN 3-409-12388-1

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
6. Jahrgang (2003), Ausgabe 7 (Juli)


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