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11. Jahrgang (2008) - Ausgabe 8 (August) - ISSN 1619-2389
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Haftungsgefahren im Unternehmen

von Dipl.-Kfm. Frank Roselieb 

Ob Balsam, Mannesmann, Bremer Vulkan oder Berliner Landesbank - immer häufiger müssen sich die Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer deutscher Unternehmen für ihr Handeln oder Unterlassen vor Gericht verantworten. Das Spektrum möglicher Fehltritte ist groß: Es reicht von vermeintlichem Subventionsbetrug über angebliche Bilanzfälschung bis hin zur strittigen Höhe von Abfindungen. Längst haben Versicherungen die erhöhten Haftungsrisiken für Führungskräfte in Unternehmen als attraktiven Markt entdeckt und bieten mit den sogenannten D&O-Versicherungen eine "Haftpflichtversicherung für Manager" an.

Welche Haftungsgefahren tatsächlich im Unternehmen lauern und welche Risikovorsorge empfehlenswert ist, erläutern 55 Autoren im gleichnamigen "Handbuch für Unternehmer, Führungskräfte und deren Berater". Das 816 Seiten starke Buch möchte weniger Lesebuch als vielmehr Nachschlagewerk sein. Es richtet sich auch an juristische Laien, die sich einen schnellen Überblick über die wichtigsten Haftungsfelder und das richtige Verhalten im Schadensfall verschaffen möchten. Die Autoren verzichten daher auf die Behandlung aller nur erdenklichen Spezialfragen in größtmöglicher Tiefe. Stattdessen sollen ihre Beiträge in der Praxis konkret nutzbar sein.

  • Im ersten Kapitel wird zunächst ein Überblick über Haftungsprobleme im Unternehmen gegeben. Die Autoren diskutieren die Haftungsverschärfung durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), die Sonderfälle der Durchgriffs- und Beraterhaftung sowie Verschulden aus Vorsatz oder Fahrlässigkeit. Sie widmen sich möglichen Klägern, nennen Verjährungsfristen und stellen die wesentlichen Probleme des Unternehmenshaftungsrechts an einem typisierten Praxisfall dar. Ihr Zwischenfazit fällt beängstigend aus: Nach Meinung der Autoren wirkt die persönliche Haftung im Ergebnis wie eine "eigenkapitalersetzende Personalsicherheit". Einen Blick über die Grenzen wagen die Autoren im letzten Abschnitt des ersten Kapitels. Am Beispiel von Frankreich, Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Großbritannien und den USA stellen sie die zivil- und strafrechtliche Managerhaftung in Auslandsgesellschaften dar.
  • Kapitel zwei ist mit mehr als 670 Seiten der Kernteil des Buches. Die 199 Schlagwörter des "Haftungslexikons" reichen von "A" wie Abfallentsorgung bis "Z" wie Zeugnis. Dargestellt werden jeweils mögliche Haftungsszenarien und angemessene Reaktionsstrategien. Nach einem kurzen Überblick über die Praxisliteratur führen die Autoren anhand der relevanten Paragrafen und aktuellen Urteile in die Thematik ein, geben verschiedene Hinweise für die Praxis und veranschaulichen ihre Ausführungen mit Hilfe einzelner Fallbeispiele. Die Texte sind gut gegliedert, im allgemeinen leicht verständlich und schnell lesbar. Auch vergleichsweise junge Themen - wie der Corporate Governance Kodex oder der Handel mit Emissionszertifikaten - finden angemessene Berücksichtigung. Wenngleich die inhaltliche Qualität und Prägnanz der Beiträge zuweilen etwas variiert, ist den Herausgebern dennoch ein "Haftungslexikon" aus einem Guss gelungen.
  • Das dritte Kapitel gibt Unternehmern, Führungskräften und Beratern praxisnahe Empfehlungen zum Umgang mit den dargestellten Haftungsrisiken. Im ersten Abschnitt führen die Autoren zunächst in die rechtlichen Grundlagen des Risikomanagements ein und stellen die verschiedenen Methoden und Instrumente zur Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikokommunikation und Dokumentation des Risikomanagementsystems überblicksartig vor. Der zweite Abschnitt widmet sich der Zusammenarbeit mit Beratern. Nach allgemeinen Ausführungen zum Beratermarkt und zu verschiedenen Typen von Mandanten formulieren die Autoren sieben Thesen zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Anwälten. Dabei nehmen sie auch die eigene Zunft in die Verantwortung, wenn sie beispielsweise eine Senkung der Kontaktschwelle durch "plausible Einstiegshonorare" fordern. Der dritte Abschnitt gibt Empfehlungen zum richtigen Verhalten im Schadensfall. Eindringlich warnen die Autoren davor, sofort ein Gericht anzurufen. Als alternative Streitlösungsverfahren stellen sie Mediations- und Schiedsverfahren vor. Für den Fall, dass hierdurch keine Einigung erzielt werden kann, folgen Hinweise zum Klageverfahren, zur Beweislast, zur Rolle von Sachverständigen und zu den Kosten des Rechtsstreits.
  • Dass auch (Rechts-)Berater nicht ohne Fehler sind, erfahren die Leser im vierten Kapitel. Erläutert werden u.a. die einzelnen Pflichten von Steuerberatern und Rechtsanwälten sowie die Voraussetzungen für eine beraterseitige Pflichtverletzung und Rechtswidrigkeit. Die Autoren diskutieren außerdem Verjährungsfristen und Aspekte des Mitverschuldens. Selbst Sonderfragen - wie die Haftung bei Beraterzusammenschlüssen oder gegenüber Nichtmandanten - werden nicht ausgespart. Ein 22seitiges Stichwortverzeichnis sowie bebilderte Kurzportraits (fast) aller Autoren runden die Schrift ab.

Sicherlich kann das Handbuch eine ausführliche Beratung durch einen spezialisierten Rechtsanwalt nicht ersetzen. Gleichwohl sensibilisiert es Unternehmer und Führungskräfte anschaulich und facettenreich für die vielfältigen Haftungsrisiken ihrer Tätigkeiten. Sieht man von den zuweilen etwas "verwaschenen" Abbildungen im Kapitel 3 Abschnitt A zum Risikomanagement ab, ist den Autoren insgesamt ein gut lesbarer und auch für Laien verständlicher Leitfaden zum Haftungsrecht gelungen. Dem Buch kann auch angesichts der Relevanz des Themas eine rasche Verbreitung in den Vorstands- und Geschäftsführungsetagen deutscher Unernehmen nur ausdrücklich gewünscht werden.

K. Jan Schiffer, Christian Rödl, Eberhard Rott (Hrsg.),
Haftungsgefahren im Unternehmen:
Ein Handbuch für Unternehmer,
Führungskräfte und deren Berater,
Verlag Neue Wirtschafts-Briefe,
Herne, Berlin, 2004,
816 Seiten, EUR 88.00,
ISBN 3-482-52671-0

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
7. Jahrgang (2004), Ausgabe 5 (Mai)


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