Mit freundlicher Unterstützung
der Deutschen Gesellschaft für
Krisenmanagement (DGfKM) e.V.
und der Partnerunternehmen:
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Kreditinstitute und Unternehmenskrisen
von KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG - FAS Corporate Restructuring (Hrsg.)
Problemstellung
Die anhaltende Rezession in Deutschland hat spürbare Auswirkungen auf das Kreditgeschäft der Geschäftsbanken. Stark zurückgehende Unternehmensgewinne und wegbrechende Umsätze schränken die Kapitaldienstfähigkeit vieler Unternehmen immer weiter ein. Die Kreditausfallquoten befinden sich derzeit auf Rekordniveau. Eine grundlegende Besserung ist nicht in Sicht.
Diese Entwicklung stellt eine doppelte Belastung für die Kreditinstitute dar. Einerseits wird durch Wertberichtigungen und verringerte Renditeaussichten das Geschäftsergebnis reduziert. Andererseits müssen erhebliche personelle Ressourcen zur zeitintensiven Betreuung von Not leidenden Krediten eingesetzt werden.
Der Bereich FAS Corporate Restructuring der KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG hat zusammen mit dem Lehrstuhl für Bankwesen der Universität Leipzig (Prof. Dr. Jürgen Singer) eine Studie zum aktuellen Stand des Problemkreditmanagements in deutschen Geschäftsbanken durchgeführt.
Ziel der Untersuchung war es, die Prozesse der Problemkreditbetreuung zu analysieren, relevante Erfolgsfaktoren zu identifizieren und das aus dem Management von Risikoengagements resultierende Ergebnis zu quantifizieren. Auf Basis dieser Ergebnisse kann anschließend ein Best-Practice-Ansatz für die Problemkreditbetreuung in Kreditinstituten entwickelt werden.
Untersuchungsdesign
Anfang 2002 wurden auf der Grundlage einer KPMG-internen Marktanalyse insgesamt 1.520 Kreditinstituten in Deutschland ausgewählt. Die Institute erhielten per Briefpost einen standardisierten Fragebogen zum Thema Problemkreditbehandlung und Work-out. Angesprochen wurden die für die Betreuung von Problemkrediten verantwortlichen Mitarbeiter sowie Mitglieder der Geschäftsleitung. Die Rücklaufquote betrug 16,9 Prozent.
Im Rahmen der Befragung konnten Daten zu folgenden Themenfeldern erhoben werden: - Identifizierung und Auswirkungen von Problemkrediten,
- mögliche kurz- und langfristige Maßnahmen seitens der Kreditinstitute,
- Organisation der Problemkreditbetreuung,
- Einschaltung externer Berater,
- zukünftige Aussichten bei der Problemkreditbetreuung.
Ergebnisse
Seit den 80er Jahren müssen sich Kreditinstitute in zunehmendem Umfang mit gefährdeten Unternehmenskrediten und deren Betreuung befassen. Die Institute befürchten, daß die Zahl und das Volumen der Problemkredite auch in Zukunft weiter anwachsen werden. Zur Einstufung als Risikoengagement nutzen die Institute dabei vorwiegend die Kriterien "Verschlechterung des internen Ratings", "angespannte Liquiditätslage des Firmenkunden" und "eingeschränkte Fähigkeit zum Kapitaldienst".
Die hohen Einzelwertberichtigungen auf Problemkredite gefährden die Ertragslage der Gläubigerinstitute. Vor allem kleinere Institute - insbesondere Genossenschaftsbanken sowie Privat- und Regionalbanken - bezeichnen die daraus erwachsende Bedrohung ihrer Selbständigkeit als erheblich. Die dominierenden Ziele der Problemkreditbetreuung sind daher die Begrenzung der hohen Belastungen durch Einzelwertberichtigungen und die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Der Erfolg der Betreuung gefährdeter Kreditengagements wird überwiegend anhand der nach der Sanierung möglichen Auflösung von Einzelwertberichtigungen gemessen.
Das rechtzeitige Erkennen der Gefährdung durch Frühwarnindikatoren stellt einen Erfolgsfaktor der Problemkreditbetreuung dar. Die aussagefähigsten Indikatoren sind die starke Umsatzminderung, die unterlassene Abgabe unterjähriger Statuszahlen, die Überschreitung der eingeräumten Kreditlinien, die Verminderung der Kooperationsbereitschaft, das Ausweichen von Gesprächen mit dem Firmenkundenberater sowie die Zugehörigkeit des Unternehmens zu einer Krisenbranche. Allerdings ist ein erheblicher Teil der Institute der Auffassung, daß diese Indikatoren die Entwicklung zum Problemkredit erst spät oder sogar zu spät signalisieren. Risikoengagements werden deshalb oftmals nicht rechtzeitig erkannt, so daß zahlreiche Institute mit der Problemkreditbetreuung erst in der Liquiditätskrise beginnen.
Nach Erkennen der ersten Signale einer Unternehmensgefährdung suchen die Institute im Rahmen ihrer Sofortmaßnahmen das Gespräch mit dem Kreditnehmer, um die Problemsituation zu erörtern und Anstöße zur Problembewältigung zu geben. Zudem führen sie - sofern noch möglich - den Blankoanteil des Engagements zurück.
Um Problemkredite zielorientiert und situationsangemessen zu managen, nutzen die Kreditinstitute verschiedene Organisationsformen. Die Betreuung von Risikoengagements verursacht eine lange zeitliche Bindung der personellen Kapazitäten. Es dominiert die Betreuung durch den Firmenkundenberater, durch Mitarbeiter der Work-out-Abteilung und die Gemeinschaftsbetreuung durch Firmenkundenberater und Work-out-Mitarbeiter. Zahlreiche Institute zeigen sich jedoch mit den bisher genutzten organisatorischen Lösungen nicht vollständig zufrieden.
Die Erfolgschancen der Sanierung steigen signifikant an, wenn Work-out-Mitarbeiter in die Engagementbetreuung eingebunden werden. Die Vorteile des Work-out-Managements werden in der intensiveren und umsetzungsorientierten Betreuung, der Vermeidung von behindernden persönlichen Beziehungen, der ausgeprägten Fachkompetenz und der höheren Zeitkapazität der Work-out-Mitarbeiter gesehen. Dennoch sprechen sich einige Institute aufgrund ihrer Größe, wegen befürchteter Schwierigkeiten in der Personalgewinnung oder wegen hoher Personalkosten für Work-out-Mitarbeiter gegen den Aufbau solcher Abteilungen aus.
Im Rahmen der Problemkreditbetreuung gewähren die Kreditinstitute finanzielle und nichtfinanzielle Unterstützungsleistungen verschiedenster Art. Im finanziellen Bereich dominieren Tilgungsaussetzung bzw. Umschuldung, die Fristverlängerung von Krediten und die Forderung an die Gesellschafter, neues Eigenkapital einzubringen. In Zukunft erwarten die Kreditinstitute, daß sie verstärkt zu Forderungsverzichten gezwungen werden, neues Eigenkapital vermitteln bzw. direkt zur Verfügung stellen müssen oder zumindest sich zur Umwandlung ihrer Kredite in Eigenkapital bereit erklären müssen. In nichtfinanzieller Art unterstützen die Institute vorrangig den gefährdeten Firmenkunden bei der Identifizierung der Problemsituation. Außerdem prüfen sie das vom Unternehmen und von Dritten (beispielsweise Unternehmensberatern und Wirtschaftsprüfern) entwickelte Sanierungskonzept. Kreditinstitute stellen häufig die Kontakte zu branchenkundigen und erfahrenen Unternehmensberatern, selten aber zu Interimsmanagern her.
Die Erfolgsaussichten sind sehr hoch, wenn große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit Spezialabteilungen oder Unternehmensberatungen zum Restrukturierungsprozess herangezogen werden. Aufgrund der besonderen Stellung des Beraters sind einschneidende Maßnahmen leichter durchzusetzen. Auch wird der Berater eventuell als neutraler Dritter akzeptiert. Zudem bringen Unternehmensberater benötigte Spezialkenntnisse in den Restrukturierungsprozess ein. Äußerst wichtige Anforderungen an die hinzugezogenen Experten sind die Fähigkeit, den komplexen Restrukturierungsprozess eng zu begleiten, diesen stringent und professionell zu managen sowie ausgeprägte Durchsetzungsfähigkeit, fachliches Restrukturierungs-Know-how und spezielle Restrukturierungserfahrungen. Die Kontaktaufnahme zu Beratern erfolgt überwiegend auf Basis positiver Erfahrungen bei der Sanierung anderer Problemkredite und auf Empfehlung Dritter.
Das Scheitern der Problemkreditbetreuung ist vor allem auf das Verkennen der Unternehmensgefährdung durch den Firmenkunden, den verzögerten Beginn der Sanierungsversuche, die verspätete Erfassung der Risikosignale durch die Firmenkreditabteilung und das nicht nachhaltig umgesetzte Sanierungskonzept zurückzuführen. Die am häufigsten gewonnenen Erfahrungen der involvierten Kreditinstitute bei der Problemkreditbetreuung sind das unzureichende Rechnungswesen und ein wenig aussagefähiges Controlling des Firmenkunden, die viel längere Sanierungsdauer als geplant und die Verschleierung der gefährlichen Lage durch den Firmenkunden.
Basel II mit der stärkeren Risikogewichtung und der Nutzung interner Ratings im Firmenkreditgeschäft verbessert die Fähigkeit der Banken, die Gefährdung eines Firmenkunden frühzeitiger als bisher zu erkennen. Ferner werden die Institute größere Vorsicht bei der Kreditausreichung an den Tag legen, die Zinsen risikoorientierter gestalten und sich bei der Sicherheitenbewertung stärker am Liquidationswert orientieren. Außerdem müssen sich die Firmenkunden bereit erklären, den Instituten mehr und bessere Informationen als in der Vergangenheit bereitzustellen. Eine generelle Flucht aus dem Firmenkredit wird aufgrund von Basel II nicht erwartet.
Bezug
| Die Langfassung der Studie "Kreditinstitute und Unternehmenskrisen" - mit einer ausführlichen Dokumentation der Umfrageergebnisse - wird auf Wunsch kostenlos zugeschickt. |
AnsprechpartnerKPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG FAS Corporate Restructuring Michaelis-Quartier Ludwig-Erhard-Straße 11-17 D-20459 Hamburg Telefon: +49 (0)40 320 15 - 52 38 Telefax: +49 (0)40 320 15 - 52 07 Internet: www.kpmg.de E-Mail: adettmann(at)kpmg.com | |
Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389): 5. Jahrgang (2002), Ausgabe 11 (November)
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Pressespiegel (Auswahl)
Krisenmanagement: Ein Fall für den Krisenstab [Financial Times] Stell dir vor, es ist Krise [Manager Magazin] Die virtuellen Sanitäter [Die Welt]
Krisenkommunikation: Litigation-PR [Financial Times] SAP vs. Orcale [Computerwoche] Krisen-PR im Internet [PR Guide]
Issues Management: Gefangen im Netz [Süddeutsche] Bundeskanzler [Tagesthemen, Spiegel] Deutsche Bank [Süddeutsche, Spiegel]
Risikomanagement: Bedarf an Beratern wächst [Financial Times] Bevor Snuttig platzt [Financial Times] Warnende Stimme [Fluter]
Katastrophenmanagement: RWE Weser Ems [WDR, Handelsblatt] Hier gibt es nichts zu sehen [Financial Times]
Sicherheitsmanagement: Wie Rückrufaktionen gelingen [Financial Times] Irak-Krieg [Die Welt, Spiegel]
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