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Krisenmanagement bei Unternehmensbedrohungen
von Dipl.-Kfm. Frank Roselieb
Ob BSE-Krise oder Acrylamid-Skandal, der Terroranschlag in New York oder das Bombenattentat auf Djerba - alle diese Ereignisse haben eines gemeinsam: Zahlreiche Abhängigkeiten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ziehen auch eigentlich unbeteiligte Unternehmen in die Krisenfälle hinein. Viele Ereignisse werden sogar erst durch die Berichterstattung der Medien zu Krisen - mit zuweilen fatalen Folgen für die betroffenen Unternehmen. So könnte beispielsweise die VMH Mineral- und Heilquellen GmbH & Co. KG aus dem hessischen Rosbach möglicherweise noch "leben", wenn das ARD-Magazin "Plusminus" nicht am 11. April 2000 über radioaktives Radium in den Mineralwasserprodukten des Unternehmens berichtet hätte. Zwar wurde die Plusminus-Geschichte am 22. bzw. 25. September 2000 von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bzw. vom Nachrichtenmagazin "Focus" als ein Skandal enttarnt, der - angeblich - gar keiner war. Die nachfolgende Finanzkrise überlebte das Unternehmen jedoch nicht. Seit dem 12. Dezember 2001 ist VMH ein Fall für den Insolvenzverwalter.
Fälle wie dieser sind Alltag für Jörg Helmut Trauboth. Sein Wissen aus bewältigten Imagekrisen und Produkterpressungen, Vorstandsentführungen und Fällen von Industriespionage hat der Krisenberater nun in einem handlichen, lesenswerten Ratgeber zusammengestellt. Während andere "How-to-do"-Bücher in epischer Breite Krisendefinitionen Dritter zitieren oder das Für-und-Wider von Phasenschemata in Krisenzeiten erörtern, kommt Trauboth schnell zur Sache: - Im ersten Kapitel verdeutlicht der Autor, wann aus einer Routinesituation eine Krise wird und welche gesamtpolitischen Rahmenbedingungen die Entstehung von Krisen in der Zukunft noch beschleunigen könnten. Das Spektrum möglicher Einflussfaktoren reicht - nach Trauboth - von Flüchtlingsbewegungen in Osteuropa über die zunehmende Radikalisierung religiöser Gruppen bis hin zum rapiden Wertewandel in Deutschland. Ein Überblick über die Ziele, den Geltungsbereich und die Umsetzungsprobleme des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) beschließt das Kapitel.
- Den ideellen Grundlagen des Krisenmanagements widmet sich Trauboth im zweiten Kapitel seiner Schrift. In vier prägnanten Regeln formuliert er die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Krisenbewältigung, geht auf die Rolle von Stress und Angst, von Unternehmensgrundsätzen und unternehmerischer Eigenverantwortung in Krisenzeiten ein und skizziert die wesentlichen persönlichen Qualifikationsmerkmale eines idealen Krisenmanagers. Nach Ansicht von Trauboth sollte ein solcher Mensch physisch und psychisch belastbar sein, keine Angst vor schwierigen Entscheidungen haben, führen können und die Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzen.
- Kapitel drei thematisiert die Grundlagen der Krisenprävention. Detailliert erläutert Trauboth zweckmäßige Organisationsstrukturen und Trainingsmaßnahmen für Krisenzeiten und gibt Hinweise zur Krisenkommunikation. Gekonnt mischt er dabei Checklisten mit eigenen Fallerfahrungen. Die sinnvolle Zusammensetzung des Krisenstabes und notwendige Inhalte eines Krisenplans finden genauso Berücksichtigung, wie die ideale Lage eines Krisenbesprechungsbereichs und Vertretungsregelungen innerhalb des Krisenstabes. Etwas störend ist die zuweilen übertriebene Verwendung von Anglismen. Warum heißt die betriebliche Krisenmanagementpolitik bei Trauboth "Krisenmanagementpolicy" und wieso werden Richtlinen als "guidelines" bezeichnet?
- Seine Erfahrungen als Oberst a.D. und Tornado-Pilot der Luftwaffe bringt Trauboth im vierten Kapitel ein. Fünf Managementregeln formuliert er für akute Krisenzeiten: Maintain Control, Get Organized, Get Information, Regain Control, Keep it short and simple. Als Führungsstil in Krisenzeiten tendiert der ehemalige Generalstabsoffizier zum dirigistisch bestimmenden Vorgesetztenverhalten - anstelle des sozialintegrativen Stils. Dieser Führungsstil werde - so Trauboth - von Mitarbeitern in Krisenzeiten nicht nur akzeptiert, sondern vielfach auch erwartet. Voraussetzung sei allerdings, das (Gegen-)Argumente gehört bleiben, der Entschluss nachvollziehbar ist sowie die Wertschätzung und das Klima im Krisenstab stimmen.
- Zur Hochform läuft Trauboth im fünften Kapitel zum Fallmanagement in Krisensituationen auf. Hier profitiert der Leser von persönlichen Erfahrungen des Autors. Facettenreich präsentiert Trauboth Empfehlungen für das Krisenmanagement bei Produktrückruf, Produkterpressung und Betriebsschließung. Selbst Tabuthemen - wie Geiselnahmen und Entführungen - bleiben nicht ausgespart. Kurze Fallbeispiele und Hinweise auf aktuelle Gesetzesänderungen runden die Darstellung ab.
- Was bei der Einbeziehung Externer in die Krisenbewältigung zu beachten ist, erläutert der Autor im sechsten Kapitel. Anstelle der ad-hoc-Rekrutierung von Beratern empfiehlt Trauboth potentiellen Krisenunternehmen, den Berater schon vor der Krise kennenzulernen, damit gegenseitiges Vertrauen für die spätere Zusammenarbeit aufgebaut werden kann. Der zweite Abschnitt des Kapitels widmet sich den Lösegeldversicherungen bei Produkterpressungen und Entführungen. Ausdrücklich warnt Trauboth, vor einer allzu offenen Kommunikation derartiger Versicherungslösungen - schließlich könnte deren Bekanntwerden auch zum Anlass für eine Erpressung oder Entführung genommen werden. Die Unterstützung durch "Profiler" - also von Sprach- und Schriftexperten für die Täteridentifizierung - beschließt das Kapitel.
- Den Bogen vom betrieblichen zum staatlichen Krisenmanagement spannt Trauboth im siebten Kapitel. Ausgehend von der künftigen Bedrohung durch Terroristen innerhalb und außerhalb des Internets sowie dem Fehlen einer zentralen und koordinierenden Einrichtung zum Krisenmanagement auf Bundesebene plädiert der Autor für ein nationales Krisenmanagement im Notstandsfall. Er empfiehlt den staatlichen Stellen, den Geist des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) auf sich selbst anzuwenden und eine entsprechende Krisenmanagementorganisation mit zentralem Lagezentrum zu schaffen.
Insgesamt ist Trauboth ein lesenswertes Praktikerbuch gelungen. Statt gebetsmühlenartig die immer gleichen Definitionen und Konzepte zu bemühen, schreibt hier ein Praktiker. Angenehm kritisch und anschaulich zugleich führt Trauboth in die Welt des betrieblichen Krisenmanagements ein und sensibilisiert gekonnt für den Nutzen einer vorausschauenden Krisenprävention. Für Vorstände und Geschäftsführer, Krisenberater und Fachjournalisten ist das Buch empfehlenswert.
Jörg Helmut Trauboth, Krisenmanagement bei Unternehmensbedrohungen - Präventions- und Bewältigungsstrategien, Boorberg-Verlag, Stuttgart, 2002, 124 Seiten, EUR 23.00, ISBN 3-415-03036-9
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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389): 5. Jahrgang (2002), Ausgabe 11 (November)
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Interview mit Frank Roselieb, Keine Chance für Krisen und Katastrophen, in: upgrade - Magazin, Heft 2/2007, Seite 20 bis 23
Interview mit Frank Roselieb, Krisenmanagement in der Lebensmittelbranche, in: Catering Management, Heft 7/8 - 2007, Seite 3
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Krisenmanagement: Ein Fall für den Krisenstab [Financial Times] Stell dir vor, es ist Krise [Manager Magazin] Die virtuellen Sanitäter [Die Welt]
Krisenkommunikation: Litigation-PR [Financial Times] SAP vs. Orcale [Computerwoche] Krisen-PR im Internet [PR Guide]
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Katastrophenmanagement: RWE Weser Ems [WDR, Handelsblatt] Hier gibt es nichts zu sehen [Financial Times]
Sicherheitsmanagement: Wie Rückrufaktionen gelingen [Financial Times] Irak-Krieg [Die Welt, Spiegel]
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