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11. Jahrgang (2008) - Ausgabe 8 (August) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
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Ökologisches Konfliktmanagement

von Dipl.-Psych. Marion Dreher

Die Havarie des Tankers "Prestige" vor der spanischen Atlantikküste im November 2002 und der noch andauernde Streit um die Startbahnverlängerung des Hamburger Airbus-Werks u.a. wegen ökologischer Bedenken sind zwei Beispiele dafür, wie von Unternehmen möglicherweise mitverursachte Umweltkatastrophen oder vermeintliche Verstöße gegen das Umweltrecht für Schlagzeilen in den Medien sorgen. Solche ökologischen Konflikte oder Umweltskandale können das Image des betroffenen Unternehmens oder das der gesamten Branche nachhaltig schädigen.

Die hohe Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Umweltthemen, das große Interesse der Medien an möglicherweise umweltschädigenden Unternehmensaktivitäten und ein zunehmend restriktives Umweltrecht zwingen Firmen dazu, sich verstärkt mit den Erwartungen der Öffentlichkeit an unternehmerische Entscheidungen im umweltnahen Bereich auseinander zu setzen und stärker als früher auf ökologische Forderungen Dritter einzugehen. Stefan Sekul untersucht in seiner Dissertation an der Universität Köln die Konsequenzen, die eine Verankerung ökologischer Aspekte in der Unternehmenspolitik für das Konfliktmanagement von Betrieben hat.

  • Das erste Kapitel seiner Dissertation führt in die Problemstellung, den Aufbau und die Zielsetzung des Promotionsprojekts ein. Sekul möchte in seiner Doktorarbeit Ansatzpunkte für ein verändertes Konfliktverständnis von Unternehmen und für eine systematische Gestaltung des ökologischen Konfliktmanagements entwickeln. Im Ergebnis sollen Betriebe aus ökologischen Konflikten möglichst neue Tätigkeitsbereiche und Impulse für das Tagesgeschäft gewinnen, die auch in eine langfristig tragfähige Unternehmenspolitik einfließen können.
  • Im zweiten Kapitel betrachtet der Autor ökologische Unternehmenskonflikte aus drei Perspektiven. Die objektbezogene Sichtweise rückt so genannte "Konfliktissues" - wie den Unternehmensstandort, das Produkt oder den Produktionsprozess - in den Mittelpunkt. Dem gegenüber widmet sich der institutionenbezogene Fokus schwerpunktmäßig den möglichen Konfliktakteuren (betroffene Einzelpersonen, Bürgerinitiativen, staatliche Institutionen etc.). Basis für die dynamische Konfliktperspektive sind schließlich Phasenmodelle aus der Soziologie und der Politik. Der Autor überträgt den Lebenszyklus gesellschaftlicher Anliegen auf ökologische Ansprüche und führt ökologische Unternehmenskonflikte im Kern auf die Divergenz zwischen wahrgenommener Umweltsituation einerseits und erwünschtem Umweltzustand andererseits zurück. Drei retrospektive Praxisbeispiele (C.H. Boehringer-Werk in Hamburg, Haarwaschmittel "Timotei" von Elida Gibbs und Ölplattform "Brent Spar" von Shell und Esso) beschließen das Kapitel.
  • Das dritte Kapitel dient der Analyse des Konfliktpotenzials im Umweltbereich. Sekul empfiehlt, im Rahmen der ökologischen Frühaufklärung zunächst "schwache Signale" für potenzielle ökologische Risiken aus dem Unternehmen und seinem Umsystem zu erfassen. Hierdurch kann sich der Betrieb auf drohende Konflikte vorbereiten und Handlungsspielräume für das ökologische Konfliktmanagement eröffnen. Die nachfolgende Akteursanalyse ergründet u.a., welche Anspruchsgruppen wann aktiv werden und wie sie ihre Forderungen begründen. Unternehmensexterne Schlüsselfaktoren des ökologischen Konfliktpotenzials sind nach Ansicht des Autors der Grad der öffentlichen Aufmerksamkeit, die Eskalationsdynamik sowie bestehende Sanktionspotenziale. Unternehmensintern zählen die Deckungsgleichheit von ökologischen Ansprüchen einerseits und strategischer Grundausrichtung und kultureller Ausgangssituation des Unternehmens andererseits sowie die Bedeutung des Konfliktgegenstands für den Unternehmenserfolg zu den entscheidenden Faktoren.
  • Im vierten Kapitel widmet sich der Autor den institutionenökonomischen Aspekten des ökologischen Konfliktmanagements. Die Interaktionsbeziehungen zwischen dem Unternehmen und seinen Anspruchsgruppen modelliert Sekul mittels des Property-Rights-Ansatzes, der Informationsökonomie und der Transaktionskostentheorie. Während der Property-Rights-Ansatz die Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinem Umsystem durch institutionelle Bindungen der beteiligten Akteure und durch die Übertragung von Verfügungsrechten definiert, dient im Transaktionskostenansatz das Kalkül der Konfliktkosten als Entscheidungshilfe bei der Wahl einer angemessenen Konfliktlösungsstrategie. Im Ergebnis liegt der Punkt einer optimalen, kostenminimalen Konflikthandhabung auf halber Höhe zwischen vollständiger Problemignoranz (mit hohen Konfliktaustragungskosten) und vollständiger Integration der ökologischen Interessen in die Unternehmenspolitik (mit hohen Integrationskosten).
  • Die fünf Handlungsoptionen des ökologischen Konfliktmanagements "Konfrontation", "Konfliktumgehung", "Kooperation", "Partizipation" und "Kompromiss" werden im fünften Kapitel vorgestellt. Diese Strategiealternativen dienen im Kern dazu, destruktive Konflikteffekte möglichst zu neutralisieren und die konstruktiven Seiten eines Konflikts für das Unternehmen nutzbar zu machen. Jede dieser Optionen wird vom Autor einer situativen Eignungsbewertung unterzogen. Als Kriterien dienen dabei die im dritten Kapitel ermittelten vier internen und vier externen Schlüsselfaktoren des Konfliktspotenzials. Insgesamt erweisen sich Eskalationsniveau und Eskalationsdynamik als das wesentliche externe Kriterium, da ab einer bestimmten Eskalationsstufe kooperative oder partizipative Problemlösungsvarianten immer unwahrscheinlicher werden.
  • Im sechsten Kapitel fasst Sekul die wesentlichen Erkenntnisse seiner Dissertation zusammen. Insgesamt hängt die Art der Konflikthandhabung eines Unternehmens danach entscheidend von den zeitlichen, personellen und materiellen Ressourcen, dem Informationsstand, den strategischen und kulturellen Bedingungen sowie den Nutzen-Kosten-Erwägungen des Betriebs ab. Die Handlungsalternative "Konfrontation" wird beispielsweise dann bevorzugt gewählt, wenn das betreffende "Issue" von hoher Bedeutung für das Unternehmen ist, ein kurzfristiger Entscheidungshorizont vorliegt und die Firma eine defensive Umweltschutzausrichtung sowie einen autoritären Führungsstil und eine änderungsfeindliche Unternehmenskultur aufweist. Partizipation bietet sich hingegen bei einer dem Umweltschutz gegenüber offenen Grundausrichtung des Unternehmens und einer demokratisch-partizipativen Firmenkultur an. Ein 36-seitiges Literaturverzeichnis beschließt die Arbeit.

Stefan Sekul bietet einen ersten Überblick über das Wesen ökologischer Konflikte und über die an ihnen beteiligten unterschiedlichen Anspruchsgruppen. Auch die Konzeption eines ökologischen Konfliktmanagements durch Unternehmen und die dabei zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen werden gut verständlich dargestellt. Gleichwohl liefert die Dissertation sicherlich keine erschöpfende Ausarbeitung des ökologischen Konfliktmanagements. Insbesondere die Präzisierung und empirische Überprüfung der Konflikthandhabung überlässt der Autor der zukünftigen Forschung. Die Schrift kann daher demjenigen Leser empfohlen werden, der an einer konzentrierten Zusammenstellung theoretischer Grundlagen zu ökologischen Konflikten und zum ökologischen Konfliktmanagements interessiert ist.

Stefan Sekul
Ökologisches Konfliktmanagement,
Eul-Verlag,
Lohmar, 2003,
286 Seiten, EUR 48.00,
ISBN 3-89936-163-6

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
7. Jahrgang (2004), Ausgabe 7 (Juli)


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